Pressemitteilung vom 28.07.2009
„Dann müssen wir ihn runterschießen!“
Heute fand auf dem besetzten Boehringergelände der erste Großeinsatz statt. Etwa 70 Beamte und Beamtinnen vor Ort nahmen die Personalien aller Anwesenden auf. Als Begründung für den Einsatz wurden Parolen am Haus des Oberbürgermeisters Weil genannt. Die Beamten hielten sich 3 Stunden auf dem Gelände auf. Alle Zelte und Häuser wurden durchsucht. Hierbei wurden auch Privatsachen durchsucht.
Wir vermuten dass der Einsatz auch zur Aufklärung für eine bevorstehende Räumung und Einschüchterung dient. Probleme hatten die Beamten und Beamtinnen bei der Personalienfeststellung einer Person, welche sich auf einer Plattform in einer Eiche befand. Trotz der Ankündigung der Polizei eine Klettereinheit holen zu lassen wollte die Person nicht herunterkommen. Es ereignete sich folgende Situation, Beamter 1: „Hoffentlich pisst der jetzt nicht herunter“. Beamter 2:“Wenn der mir auf den Kopf pisst, müssen wir ihn herunterschießen!“ Die Besetzer und Besetzerinnen empfinden diese Aussage als illegitimen Angriff auf Leben und körperliche Unversehrtheit.
Aktivisten und Aktivistinnen forderten vom Einsatzleiter, die Einsatznummer des Beamten bekannt zu geben.
Am Ende haben die Beamten und Beamtinnen um 15:45 Uhr das Gelände verlassen, ohne die Personalien des Aktivisten festgestellt zu haben.
Es wird vermutet, dass die Polizei mit dieser Aktion eine Verunsicherung der BesetzerInnen bezwecken wollte. „Es kann nicht sein, dass eine Aktion, welche zum Ziel hat eine öffentliche Debatte über Sinn und Unsinn des Versuchslabors zu erzeugen, durch solche Polizeieinsätze kriminalisiert wird. und so die öffentliche Debatte unterbunden wird “, sagt Kerstin Müller, ein Unterstützerin der Besetzung.
Betina S., eine Bewohnerin der Besetzung meint:“ Wir werden uns durch diese Repression nicht einschüchtern lassen. Wir sind weiterhin davon überzeugt, dass das, was wir tun, richtig ist. Weiterer Widerstand gegen Boehringers Vorhaben, welches unendliche Tierqualen erzeugen wird, ist notwendig!“
Der Einsatz der Polizei wird von den Besetzern und Besetzerinnen als unverhältnismäßig und kriminalisierend angesehen.
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27. 07.2009
Offener Brief der BesetzerInnen an Boehringer Ingelheim
Auf der Besetzung des von Ihnen geplanten Tierversuchslabors in Hannover stehen Hütten, in denen wir uns eingerichtet haben. Nun haben Sie festgestellt, dass die Häuser und Hütten asbestverseucht sind. Aus lauter Fürsorge haben Sie beschlossen, die Hütten unserer Gesundheit wegen abreißen zu müssen. Wir sind zwar sehr gerührt, bringen aber den Gegenvorschlag, dass wir uns eine Firma aussuchen, die von Ihnen bezahlt den Asbest fachgerecht entfernt, so dass die Hütten weiter genutzt werden können. Wir wären aber auch damit zufrieden, die Häuser in ihrem derzeitigen Zustand zu belassen, da wir uns in der Lage sehen, selbst über unsere Gesundheit zu entscheiden. Alles andere sehen wir als ersten Teil der Räumung an.
Ihre Strategie haben wir durchschaut: es werden Situationen geschaffen wie diese, dann Kooperation gefordert und andernfalls mit Räumung gedroht. Mit dieser Strategie werden folgende Ziele verfolgt:
1. Durch konstruierte Fälle, auf die die BesetzerInnen reagieren müssen, und durch gesteigerten Druck sollen interne Spaltungen herbei geführt werden,
2. Die Strukturen, die Zusammensetzung und Entschlossenheit der Gruppe soll erforscht werden, um die Räumung darauf auszurichten,
3. Im Idealfall soll eine Kooperation aufgebaut werden, wodurch eine Entpolitisierung der Besetzung bezweckt wird und eine Räumung in mehreren Schritten ermöglicht würde, welche dadurch kaum noch Aufmerksamkeit auf sich zieht.
Würden wir diese Strategie nicht durchschauen, wäre sie vielleicht gar nicht so schlecht. Vorausgesetzt das Ziel ist es eine öffentliche Diskussion über ihr Vorhaben so gering wie möglich zu halten. Dass sie unsere Besetzung also nur als möglichst schnell zu beseitigendes Problem sehen und eben nicht als die Chance eine öffentliche Debatte zu starten, kann uns nicht wirklich überraschen.
Festgehalten werden muss, dass Sie eben ein ignoranter Global Player sind, der Profite über die Interessen von Menschen, anderen Tieren und der Umwelt setzt. Eine Kooperation kann es daher für uns nicht geben. Jedes Betreten Ihrerseits für irgendwelche Maßnahmen sehen wir als Räumungsversuch an und werden es dementsprechend blockieren.
Für die Freiheit. Für das Leben. Eine Kooperation mit Boehringer wird es nicht geben!
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17.07.2009
Pressemitteilung: Obst und Gemüse statt Tierversuche und Fleisch
Das Zeltlager auf dem seit über zwei Wochen besetzten Gelände von Pharmakonzern Boehringer und der Stadt Hannover entwickelt sich nach und nach zu einem Hüttendorf. Die Besetzung weitet sich auf die verlassenen Kleingärten aus und am Eingang entsteht eine Holzhütte als wetterfester Gemeinschaftsraum. Um ihren Protest weiterhin in die Öffentlichkeit zu tragen, hat die Besetzungsgruppe für Samstag, 18. Juli, ab 12 Uhr eine Kundgebung mit Straßentheater am Schillerdenkmal in der Innenstadt angemeldet. Auf dem Gelände selbst findet am Sonntag, 19. Juli, um 12 Uhr ein Brunch mit Diskussion über ein alternatives Nutzungskonzept statt.
Wir wollen die Kleingärten wieder in Betrieb nehmen, die Häuser in Stand setzten und im besten Fall die ehemaligen Besitzer, die ihre Gärten zwangsweise an Boehringer abgeben mussten, ausfindig machen und ihnen anbieten, ihre Gärten wieder zu bewirtschaften“, sagt Lara von der Besetzungsgruppe. Alternativ zu Boehringers Impfstoffversuchen, die der Fleischindustrie zu Gute kommen, wollen die BesetzerInnen nun das Gelände zum Obst- und Gemüseanbau für den Eigenbedarf nutzen. Wir fänden es toll, zusammen mit Anwohnern und ehemaligen Kleingärtnern ein bunteres und weniger gewaltvolles Projekt als es Boehringer geplant hat auf unserem Gelände zu initiieren“, so Lara weiter. Für Sonntag lädt die Besetzung ab 12 Uhr zum Brunch, auch um mit Interessierten über ein alternatives Nutzungskonzept zu diskutieren.
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09.07.2009
Pressemitteilung: Boehringer Besetzung wächst
Seit einer Woche wächst die Besetzung gegen Boehringers Tierversuchslabor in Hannover Kirchrode stetig. Gut 40 bis 50 Personen arbeiten mittlerweile an der dortigen Infrastruktur, organisieren Vorträge und planen weitere öffentlichkeitswirksame Aktionen gegen Boehringers Bauprojekt. Für diesen Sonntag laden die BesetzerInnen um 12 Uhr zum Brunch ein.
Da sich bereits 30 Personen wohnlich eingerichtet haben, sind zur Zeit sind noch vielerlei Arbeiten innerhalb des Camps notwendig. So wurden in den letzten Tagen eine Waschstation und Dusche, ein großes Gemeinschaftszelt, weitere Wege und Erd- und Solarkühlschränke errichtet. Für Ästhetik und Komfort sind ein Blumenbeet mit Teich und ein Büro im Aufbau.
Der Besetzungsalltag besteht aber nicht nur aus praktischen Arbeiten: täglich treffen sich verschiedene Arbeitskreise, um Vorträge und Workshops zu planen, um Flugblätter und Plakate für die Öffentlichkeit zu gestalten oder um den weiteren Protest gegen Boehringers Tierversuchslabor zu organisieren.
Sehr wichtig ist den BesetzerInnen aber auch der Kontakt zu den AnwohnerInnen und anderen Interessierten. Täglich besuchen Familien oder Einzelpersonen die Besetzung und lassen sich gerne das Gelände zeigen und informieren. Nach wie vor ist die Besetzung auf Spenden von Sympathisanten angewiesen. Um sich für die bisherige Unterstützung zu bedanken und um neue Kontakte zu knüpfen, laden die Boehringer-GegnerInnen am Sonntag, 12. Juli, um 12 Uhr zum Brunch.
Weitere Termine:
Donnerstag, 9. Juli, 19.30 Uhr:
Vortrag zu veganer Ernährung
Freitag, 10. Juli, ab 20.00 Uhr:
Jubiläumsfeier – Eine Woche und ein Tag!
Samstag, 11. Juli, gegen 12.00 Uhr:
Schnupperklettern mit Klettergurt in der alten Eiche
Samstag, 11. Juli, 19.30 Uhr:
Filmvorführung zum Thema Tierrechte/gesellschaftliche Tierbefreiung
Sonntag, 12. Juli, 12.00 Uhr:
Brunch
Dienstag, 14. Juli, 19.30 Uhr:
Vortrag: Einführung in verschiedene Tierrechtstheorien
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02.07.2009
Pressemitteilung: TierrechtlerInnen besetzen Boehringer-Baustelle
In der Nacht vom 01.07.2009 auf den 02.07.2009 wurde das Baugelände für das geplante Tierversuchslabor des Pharmakonzerns Boeheringer Ingelheim besetzt. Mit dieser Aktion des zivilen Ungehorsams möchten die 20 BesetzerInnen die Baupläne auf gewaltfreie Art, also schlicht durch ihre dauerhafte Anwesenheit, verhindern. AnwohnerInnen kämpfen schon seit langem auf dem Rechtsweg gegen Boehringers Pläne, doch ihre Bedenken bleiben von öffentlichen Institutionen ungehört. Die BesetzerInnen sehen daher keine andere Möglichkeit, als die der gewaltfreien, direkten Aktion, um den Bau der Versuchsanlage noch zu verhindern.
„Wir finden es falsch, empfindsame Lebewesen zu Versuchszwecken zu missbrauchen“ so die Begründung der Besetzerin Lara Kempel. Einen weiteren Kritikpunkt an Boehringers Bauvorhaben bildet der direkte Zusammenhang zwischen der Erforschung von Impfstoffen für Schweine und deren Nutzen für die (Massen-)tierhaltung. „Durch neue Impfstoffe wird es leichter, riesige Mastanlagen zu schaffen. Boehringer fördert somit aktiv den Ausbau der industriellen Haltung von Tieren. Wir fordern jedoch das Verhältnis von Menschen zu Tieren zu überdenken und streben ihre Befreiung aus der Benutzung für menschliche Interessen an“, so Kempel.
Die BesetzerInnen kritisieren aber nicht nur den Umgang der Gesellschaft mit Tieren, sondern ebenso die sozialen und ökologischen Folgen der Tierhaltung. „Für den Anbau von Futtermitteln werden Regenwald gerodet und Kleinbauern vertrieben. Die industrielle Landwirtschaft und gerade die Tierhaltung des Nordens vernichtet die Lebensgrundlage vieler Menschen im globalen Süden. Das Roden von Regenwald und der enorme Ressourcenverbrauch für die Tierhaltung verursacht dazu noch 18% der klimaschädlichen Treibhausgase“, ergänzt Kempel weiter ihre Kritik.
Die BesetzerInnen setzten das lokale Bauvorhaben von Boehringer in einen globalen Zusammenhang. Lara Kempel abschließend dazu: „Um globale Probleme in den Griff zu bekommen, brauchen wir Protest direkt vor Ort. Wir hoffen daher mit unserer Aktion einen breiten Widerstand gegen Boehringers Bauvorhaben in Hannover formieren zu können!“