Neues von Isabell (Mo) aus dem Knast

Hallo an alle,
die erste Hälfte meiner Haftzeit ist vorbei und in 10 Tagen werde ich wieder in die Freiheit entlassen. Nachdem die ersten Tage noch sehr ungewohnt und fremd waren, habe ich mich inzwischen an den Alltag hier im Knast , so gut es geht, gewöhnt.
Der Tagesablauf ist immer gleich.
Unter der Woche werden um 6 Uhr morgens die Türen aufgeschlossen und die Schließer_innen kontrollieren, ob alle noch am Leben sind.
Bis 7 Uhr sind dann die Türen offen und es gibt die Möglichkeit zu duschen, die Wasserflasche aufzufüllen und die Zeitung zu lesen.
Um 7 Uhr werden alle, die nicht arbeiten wieder eingeschlossen.
Ich muss hier drinnen nicht arbeiten , weil ich nur eine kurze Haftstrafe absitze.
Um 11.30 Uhr werden die Türen wieder aufgeschlossen , weil es um diese Zeit Mittagessen gibt.
Das Mittagessen wird immer durch eine Gefangene ausgegeben. Gleichzeitig wird auch das Frühstück und das Abendessen mit ausgeteilt.
Ich bekomme veganes Essen. Hatte auch keine Probleme das durchzusetzen.
Wir haben dann eine Stunde zeit zu essen und werden dann wieder in unsere Zellen eingeschlossen, bis um 14.30 Uhr der Nachmittagsaufschluss ist.
Am Nachmittag sind die Zellen für 4 ½ Stunden geöffnet und es gibt an einigen Tagen ein Beschäftigungsangebot. Unter anderem eine Bastelrunde, eine Gesprächsrunde und eine Bibelstunde. Außerdem ist jeden Nachmittag um 16Uhr eine Stunde Hofgang. Wer nicht mit rausgeht wird für diese Zeit in die Zelle eingeschlossen.
Meistens gehe ich mit auf den Hof, weil ich keine Lust darauf habe noch eine weitere Stunde eingesperrt in der Zelle zu sein.
Der Hof ist gerade einmal 30 qm groß, wovon ein Teil Rasenfläche ist, die nicht betreten werden darf.
Mensch hat auf diesen Hof keine andere Möglichkeit , als hin- und herzulaufen oder doof in der Gegend herumzustehen.
Aber durch den Hofgang hat mensch auch die Möglichkeit in Kontakt mit anderen Gefangenen zu kommen, die ihre Zellen auf einem anderen Stockwerk haben.
Um 19 Uhr ist Nachteinschluss und mensch ist dann die ganze Nacht in seiner Zelle eingesperrt.
Ich habe, wie fast alle hier eine Einzelzelle. Die Zellen sind alle mit einem Bett, einem Tisch, Stuhl, einem Schrank, einem Regal und einem Fernseher. Außerdem habe ich bei meinerAnkunft einen Wasserkocher bekommen.
Meine Zelle ist auf einer Station mit 3 Mitgefangenen.
Inzwischen sind noch 3 weitere dazugekommen. Die meisten von ihnen sitzen längere Haftstrafen ab und sind schon über ein Jahr hier drin.
Mit den meisten von Ihnen verstehe ich mich ganz gut, obwohl wir fast nur den Knast und unsere Haftstrafen als Thema haben. Trotzdem bin ich froh, dass ich mit den meisten gut auskomme und nicht die ganze Zeit alleine bin.
Da ich an einem Freitagabend angekommen bin, habe ich meine Sachen erst am Montag bekommen und musste das Wochenende in Knastkleidung, einem grauen, übergroßen Jogginganzug rumlaufen.
Am Montag habe ich dann aber alle meine Sachen bis auf die Bücher , die ich mitgebracht habe , bekommen.
Mir wurde gesagt, dass ich die Bücher nicht mit reinnehmen kann, da die Gefahr besteht, dass ich die Buchdeckel präpariert habe, um so verbotene Gegenstände in den knast zu schmuggeln.
Das ist eine der absurden Vorschriften hier, um Gefangene zu schikanieren.
Eine weitere dieser regeln ist die, dass ich Postkarten nur im Beisein einer Schließerin im Büro lesen darf und nicht mit auf meine Zelle nehmen darf.
Die absurde Begründung dafür ist, dass die Karten in Drogen getaucht sein könnten.

Ich habe in den letzten 10 Tagen sehr viel Post von solidarischen Unterstützer_innen bekommen. Ich freue mich unglaublich, dass es so viele Menschen sind, die mich während meiner Knastzeit unterstützen und gedanklich bei mir sind.
Ich versuche allen Menschen, die mir schreiben zu antworten.
Von einigen habe ich jedoch keine Adresse.
Deswegen möchte ich diesen weg nutzen, allen Menschen, die mir bisher geschrieben haben und noch schreiben werden, und die mich vor, während und nach dieser Zeit unterstützen, ganz herzlich zu danken.
DANKE FÜR EURE SOLIDARITÄT UND EURE UNTERSTÜTZUNG .

Solidarität ist eine Waffe. Nutzen wir sie!
Wir sehen uns auf der Straße!
Isabell (Mo)


1 Antwort auf „Neues von Isabell (Mo) aus dem Knast“


  1. 1 Ingrid Richl 23. Mai 2013 um 17:31 Uhr

    Hallo Isabel,
    es ist interessant, was du aus dem Knast berichtet hast. Ich las im grünen Blatt darüber. Dort steht, dass man hier weiter lesen kann, doch es ist weniger als dort. Wo finde ich den ganzen Bericht?
    Herzliche Grüße
    Ingrid Richl

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