Archiv für Januar 2013

Isabell wieder in Freiheit

Isabell wurde am Dienstag nach 19 Tagen aus der JVA Hildesheim entlassen.
Ein ausführlicher bericht über ihre Haftzeit wird in Kürze hier erscheinen

Neues von Isabell (Mo) aus dem Knast

Hallo an alle,
die erste Hälfte meiner Haftzeit ist vorbei und in 10 Tagen werde ich wieder in die Freiheit entlassen. Nachdem die ersten Tage noch sehr ungewohnt und fremd waren, habe ich mich inzwischen an den Alltag hier im Knast , so gut es geht, gewöhnt.
Der Tagesablauf ist immer gleich.
Unter der Woche werden um 6 Uhr morgens die Türen aufgeschlossen und die Schließer_innen kontrollieren, ob alle noch am Leben sind.
Bis 7 Uhr sind dann die Türen offen und es gibt die Möglichkeit zu duschen, die Wasserflasche aufzufüllen und die Zeitung zu lesen.
Um 7 Uhr werden alle, die nicht arbeiten wieder eingeschlossen.
Ich muss hier drinnen nicht arbeiten , weil ich nur eine kurze Haftstrafe absitze.
Um 11.30 Uhr werden die Türen wieder aufgeschlossen , weil es um diese Zeit Mittagessen gibt.
Das Mittagessen wird immer durch eine Gefangene ausgegeben. Gleichzeitig wird auch das Frühstück und das Abendessen mit ausgeteilt.
Ich bekomme veganes Essen. Hatte auch keine Probleme das durchzusetzen.
Wir haben dann eine Stunde zeit zu essen und werden dann wieder in unsere Zellen eingeschlossen, bis um 14.30 Uhr der Nachmittagsaufschluss ist.
Am Nachmittag sind die Zellen für 4 ½ Stunden geöffnet und es gibt an einigen Tagen ein Beschäftigungsangebot. Unter anderem eine Bastelrunde, eine Gesprächsrunde und eine Bibelstunde. Außerdem ist jeden Nachmittag um 16Uhr eine Stunde Hofgang. Wer nicht mit rausgeht wird für diese Zeit in die Zelle eingeschlossen.
Meistens gehe ich mit auf den Hof, weil ich keine Lust darauf habe noch eine weitere Stunde eingesperrt in der Zelle zu sein.
Der Hof ist gerade einmal 30 qm groß, wovon ein Teil Rasenfläche ist, die nicht betreten werden darf.
Mensch hat auf diesen Hof keine andere Möglichkeit , als hin- und herzulaufen oder doof in der Gegend herumzustehen.
Aber durch den Hofgang hat mensch auch die Möglichkeit in Kontakt mit anderen Gefangenen zu kommen, die ihre Zellen auf einem anderen Stockwerk haben.
Um 19 Uhr ist Nachteinschluss und mensch ist dann die ganze Nacht in seiner Zelle eingesperrt.
Ich habe, wie fast alle hier eine Einzelzelle. Die Zellen sind alle mit einem Bett, einem Tisch, Stuhl, einem Schrank, einem Regal und einem Fernseher. Außerdem habe ich bei meinerAnkunft einen Wasserkocher bekommen.
Meine Zelle ist auf einer Station mit 3 Mitgefangenen.
Inzwischen sind noch 3 weitere dazugekommen. Die meisten von ihnen sitzen längere Haftstrafen ab und sind schon über ein Jahr hier drin.
Mit den meisten von Ihnen verstehe ich mich ganz gut, obwohl wir fast nur den Knast und unsere Haftstrafen als Thema haben. Trotzdem bin ich froh, dass ich mit den meisten gut auskomme und nicht die ganze Zeit alleine bin.
Da ich an einem Freitagabend angekommen bin, habe ich meine Sachen erst am Montag bekommen und musste das Wochenende in Knastkleidung, einem grauen, übergroßen Jogginganzug rumlaufen.
Am Montag habe ich dann aber alle meine Sachen bis auf die Bücher , die ich mitgebracht habe , bekommen.
Mir wurde gesagt, dass ich die Bücher nicht mit reinnehmen kann, da die Gefahr besteht, dass ich die Buchdeckel präpariert habe, um so verbotene Gegenstände in den knast zu schmuggeln.
Das ist eine der absurden Vorschriften hier, um Gefangene zu schikanieren.
Eine weitere dieser regeln ist die, dass ich Postkarten nur im Beisein einer Schließerin im Büro lesen darf und nicht mit auf meine Zelle nehmen darf.
Die absurde Begründung dafür ist, dass die Karten in Drogen getaucht sein könnten.

Ich habe in den letzten 10 Tagen sehr viel Post von solidarischen Unterstützer_innen bekommen. Ich freue mich unglaublich, dass es so viele Menschen sind, die mich während meiner Knastzeit unterstützen und gedanklich bei mir sind.
Ich versuche allen Menschen, die mir schreiben zu antworten.
Von einigen habe ich jedoch keine Adresse.
Deswegen möchte ich diesen weg nutzen, allen Menschen, die mir bisher geschrieben haben und noch schreiben werden, und die mich vor, während und nach dieser Zeit unterstützen, ganz herzlich zu danken.
DANKE FÜR EURE SOLIDARITÄT UND EURE UNTERSTÜTZUNG .

Solidarität ist eine Waffe. Nutzen wir sie!
Wir sehen uns auf der Straße!
Isabell (Mo)

Indyartikel: Berlin] ALF attackiert Pelz- und Ledergeschäft in Solidarität mit Boehringer-Aktivist*innen

Folgener Artikel ist unter: https://linksunten.indymedia.org/de/node/75484 zu finden:

Am 3. Januar attackierte die Animal Liberation Front (ALF) ein Pelz- und Ledergeschäft im Zentrum von Berlin. Die Frontseite des Ladens wurde mit Farbe und Slogans versehen. Die ALF widmet diese Aktion den Aktivist*innen, die im Jahr 2009 den Bauplatz des Tierversuchslabors der Firma Boehringer in Hannover besetzt hatten und von denen eine deswegen momentan im Knast sitzt.

Auf Bite Back erschien das folgende Beker*innenschreiben (deutsche Übersetzung):

Am 3. Januar 2013 attackierten Aktivist*innen ein „Pelz“– / „Leder“geschäft im Zentrum von Berlin. Der Laden ist verantwortlich für die Ausbeutung von zahllosen Individuen, also wurde die Frontseite mit Farbbomben versehen und die klare Botschaft hinterlassen: „Tiere haben Rechte – ALF“.
In Solidarität mit den Boehringer-Aktivist*innen, die 2009 einen Bauplatz eines Tierversuchslabors besetzten.

Bis jeder Käfig leer ist!
Animal Liberation Front

Das Originalschreiben scheint auf Englisch verfasst worden zu sein und lautet:
On 3rd january 2013 activists attacked a ‚fur‘/'leather‘ shop in the centre of Berlin. The store is responsible for the exploitation of countless individuals, so the front were covered with paint bombs, leaving a clear message ‚Tiere haben Rechte – ALF‘ (Animals have rights – ALF).
In solidarity with the ‚Boehringer‘ activists, who squatted an animal testing lab construction site back in 2009.
Until every cage is empty
Animal Liberation Front

Post aus dem Knast

Folgendes schreibt Isabell am Samstag (1. Tag) zu Post die sie in den Knast bekommt:

„Ich habe gestern und heute schon Post bekommen , allerdings darf ich die Postkarten nicht mit auf die Zelle nehmen mit der Begründung, dass die Postkarten in Drogen getaucht sein könnten. Warum diese Gefahr nur bei den Postkarten und nicht bei den Briefen besteht versteh ich nicht. Briefe darf ich mit auf die Zelle nehmen, allerdings kriege ich nichts was mitgeschickt wurde (z.B. Briefumschläge) mit auf die Zelle. Das einzige was ich ausgehändigt bekomme sind Briefmarken.“

Aktion am Schillerdenkmal und Knastantritt

-ein kurzer Bericht-

Freitag Nachmittag wurde die Tierbefreiungsaktivistin Isabell von mehreren Unterstützer_innen in die JVA Hildesheim begleitet. Dort wird sie nun vorraussichtlich – wegen der Teilnahme an einer Besetzung des Baugrundstückes auf dem jetzt ein riesiges Schweinetierversuchslabor von Boehringer steht – ihre 20 Tagessätze absitzen. Sie freut sich über Aktionen, Post und sonstige Unterstützung.

Zwischen 12 und 14 Uhr hatte es eine Mahnwache gegen Knast, Strafe und Tierversuche in Hannover am Schillerdenkmal gegeben – trotz schlechtem Wetter, konnte so nochmals Aufmerksamkeit auf die Themen gelenkt werden und zusammen mit der Betroffenen ein „lautes“ Eintreten in den Knast angekündigt werden.