7 Tage im Knast

Weil sie während eines Prozesses gegen eine Boehringegenerin am 13.2.2012 zur Urteilsverkündung nicht aufgestanden ist, musste Alissa vom 20.4. bis 27.4 eine Ordnungsstrafe im Frauengefängnis schwäbisch Gmünd absitzen.
Während ihrer Haft hat Alissa ihre Eindrücke und Erlebnisse aufgeschrieben und zeichnerisch festgehalten. Im folgenden findet ihr eine Zusammenfassung dieses Berichts, sowie einige Zeichnungen, die einen persönlichen Einblick in Alissas Knastzeit geben.


Mir war klar, dass ich die 300 Euro nicht zahlen will, weil ich keinen Bock habe irgendwelche Repressionskassen zu füllen. Ich denke, dass das eine schwierige Entscheidung ist und ich würde auch keine_r Vorwürfe machen wollen, wenn zahlen. Ich für mich nahm allerdings an, dass mein Gefühl nach Zahlung des Geldes ein blöderes wäre, als beim Absitzen. Außerdem hatte ich mir schon länger vorgenommen mir mal so eine Ordnungshaft zu holen um so einen grausamen Knast mal von innen zu sehen, mich mal selbst hinter die dicken Mauern, die Gitterstäbe und den Stacheldraht begeben wollte um eher nachvollziehen zu könne, wie Menschen dort drinnen empfinden und (über)leben und mehr ein Verständnis zu bekommen, was Haftzeit bedeutet…

Weil ich planen wollte, was ich in den nächsten Wochen/ Monaten tun will, hab ich nach dem ersten Zahlungsbescheid mal beim Amtsgericht Hannover angerufen, gesagt, dass ich nicht zahlen will und gefragt, wann ich dann die Haft antreten soll. Erstmal wollte mich die Justizsekretärin noch von einer Ratenzahlung überzeugen- klar, die wollen Kohle und nicht, dass ich den Kotstullen-Staat noch was koste. Nach mehrmaligen Telefonaten hab ich dann geklärt, dass ich Mitte April in Ordnungshaft gehe. Erst wollte sie mir den Haftbefehl schon Anfang April schicken „am 17. April hab ich aber noch einen Prozess und muss mich davor darauf vorbereiten“ erklärte ich und da war die Justizbeamtin ganz kooperativ „dann werde ich dafür sorgen, dass sie den Haftantrittsbescheid frühestens ab dem 18. April erhalten und dann haben Sie ja noch eine Woche Zeit, innerhalb der Sie antreten müssen“.

Packen und Ankommen
Ich war mir total unsicher, was ich denn nun mitnehmen darf in den Knast und was nicht. Auf dem Haftantrittsbescheid stand zwar bisschen was drauf, aber total unkonkret. Also hab ich angerufen in der JVA Schwäbisch Gmünd. „Für wie lange kommen Sie denn?“- „7 Tage“- „Bei 7 Tagen brauchen sie gar nichts mitbringen, sie bekommen alles nötige von der Anstalt“. Ich hab Widersprochen, gesagt, dass da was anderes in dem Schreiben steht. „In den Bescheiden von Gericht steht meistens was Falsches drin“, hat sie gemeint. Jo, das da Falsches drin steht, da will ich ja garnicht widersprechen, aber dass sich Knast und Justiz widerprechen, das war mir was neues, wo sie doch so eifrig zusammenarbeiten, wenns ums Einschüchtern, Kleinmachen, Anpassen und Ausnehmen geht. Zum Glück hab ich noch immer nicht aufgegeben und angefangen einzeln nachzufragen:
Wie ist das mit Büchern? Papier? Stiften?… 10 Bücher durfte ich mit nehmen wurde mir dann doch gesagt, die durfte ich dann auch tatsächlich mit auf die Zelle nehmen. Ansonsten waren die Angaben immer noch falsch oder lückenhaft wie ich später rausgefunden hab. Nach der Erfahrung würde ich erst einmal den Tipp geben einfach auch mal Sachen mitzunehmen, die mensch gerne dabei hätte, auch wenn nicht klar ist ob die mit rein kommen. Obwohl ich da auch schon gehört habe, dass Gefangene für die Verwahrung zahlen müssten.
Schon diese Erfahrung fand ich ziemlich krass. Wenn ich mich mit der ersten Antwort zufrieden gegeben hätte, das ich nichts mitzunehmen brauche… und ich denke, nicht viele stellen solche Auskünften nochmal in Frage, schließlich redet Mensch da ja eigentlich auch direkt mit den Vollstreckerinnen…
Schon 1 Buch ist was ganz anderes als keins und Bleistift und Papier ziemlich wichtig für mich… zum Glück hatte ich noch einige Buntstifte auf Gut Glück mitgenommen- 10 davon waren erlaubt.

Ich war auch sehr froh, dass ich mir am Morgen auch noch die Uhr eines Mitbewohners ausgeliehen hatte, denn der Wecker musste im „Habe“ bleiben (genauso wie mein Kuscheltier „Pirathäschen“, mitgebrachte Zahnpasta, Füller, Wasserfarben…). Und die Uhrzeit zu wissen, das war während der Haftzeit ziemlich wichtig für mich.

Was ich während des Eingesperrt-seins erlebt und durchlebt habe, was ich für Erfahrungen machte und welche Eindrücke ich mitnahm, das möchte ich im Folgenden durch Zitate ausschnitthaft, angerissen und umrissen wiedergeben. Ich hab jeden Tag geschrieben, insgesamt um die 30 Seiten von Hand, aus denen ich nun rauspicken werde, was ich mit anderen teilen und weitergeben möchte:

„Dass ich meine Unterschrift [bei der Aufnahme in der „Kammer“] nicht unter den Papierkram setzen wollte hat sie wütend ge„Wenn sie gleich so anfangen, werden Sie noch sehen, was sie davon haben. Sie werden sehen, Ihr Verhalten wird auf Sie zurückfallenmacht. “ oder ähnliches haben sie zu mir gesagt. „Sie sind so eine gegen den Staat und Alles oder was?“, wurde ich gefragt. Mich danach vor Ihnen auszuziehen, zu duschen, nach Binden oder Tampons fragen zu müssen, das war schon erniedrigend. Plötzlich hab ich mich nicht mehr so stark und widerständig gefühlt…“

Bei dem Arztbesuch wurde mir Blut abgenommen, wegen einem Tuberkulosetest. Ich wusste nicht, ob ich das verweigern kann, habs einfach mit mir machen lassen. Angeschrien hat sie mich, weil ich vergessen hatte (ohne dass ich danach gefragt wurde) zu sagen, dass ich Kontaktlinsen habe und als ich gesagt habe, dasss ich vegan lebe, da hat sie gesagt, dass es das hier nicht gebe „ist ja kein Hotel hier“- „nein ein Knast“ bestätigte ich. Danach wurde ich in den Aufenthaltsraum gesperrt. Ob alles in Ordnung sei hat die Beamtin noch gefragt – ich hab genickt, damit sie verschwindet. – „Was soll in Ordnung sein? In Ordnung an einem Knast?! Nichts ist in Ordnung hier [hab ich gedacht]…“

„Mit der Blechkiste voll mit Kleidern, Bettzeug, Handtüchern und den wenigen persönlichen Dingen , die ich mitnehmen durfte, bin ich dann in die Zelle gebracht worden. Mit zwei anderen Frauen bin ich hier eingesperrt: B. ist 49 Jahre alt, ist seit etwa fünf Monaten hier und muss noch zwei Wochen bleiben. „Grund“ für ihre Haftzeit: „Betrug“. N sitzt auch wegen Betrug. Betrug gegen eine Bank. Ich hab ihr gesagt, dass ich das toll finde [also die Bank zu betrügen, nicht dass sie dafür eingeknastet wurde]. Sie ist 24 Jahre alt und hat zwei Kinder, eine ist 2 Jahre alt, die andere 8 Monate. Sie muss noch 7 Monate da bleiben. N arbeitet für 2,60 Euro die Stunde in der Küche [was hier ein guter Stundenlohn ist, die meisten bekommen für ihre Arbeit wie Nähen, „Hof und Garten“, „Hausmädchen“, Wäscherei nur so 1, 30 Euro und müssen dann Samstags in einem total überteuerten Knastshop einkaufen, wenn sie was haben wollen.“

„Der Fernseher läuft und ich habe die Befürchtung, dass das so bleiben wird… Meine Zellengenossin betet, ein Kopftuch und eine Brille hat sie sich dafür aufgesetzt. Sie ließt dafür immer wieder den selben Abschnitt und zählt an einer Perlenkette irgendwie ab, wie oft sie das schon getan hat.“

„Alle Briefe, die ich bekomme und schreibe werden zensiert [damit ist gemeint, dass Sie die Post durchlesen oder überfliegen und je nachdem Zeilen überstreichen oder die Briefe etc. zurückhalten]. Ich weiß noch gar nicht so recht, wie und was ich da schreiben soll… Die 7 Tage halte ich das aus, aber länger stelle ich mir das fürchterlich vor… Gefühle, Beziehungen, Empfindungen und Erlebnisse offenlegen…“

„Ich war das erste mal im Hof [jeden Tag gibt es eine Stunde Hofgang]… kam mir erst ziemlich einsam vor, bin ein paar Runden gelaufen und hab mich dann auf Steine gesetzt und den schwarz- roten Käfern beim Vögeln zugeschaut. Dann haben sich zwei Frauen in meine Nähe gesetzt, die eine wurde zuvor dabei erwischt, wie sie mit einer Frau [ihrer Freundin] auf einem anderen Hof Handzeichen macht, wir haben darüber geredet, wie beschissen diese Verbote sind und dann noch darüber, wie schlimm es ist, dass alle Briefe zensiert werden. Die eine Frau hat erzählt, wie unangenehm und erniedrigend es für sie war, als die letzte Post, die ihr Schatz an sie geschrieben hat, von den Beamtinnen gelesen wurde, sie hat sich geschämt, hat ihm danach geschrieben er solle nicht mehr so schöne Sachen schreiben, weil die Beamtinnen sich darüber lustig machen. Ich hab nach Sabine S gefragt, die andere vor mir schon im Knast kennengelernt hatten. Sie saß auch im Hof.
Ich bin zu ihr hingegangen, hab sie etwas schüchtern angesprochen und Grüße ausgerichtet. Sie hat mir noch ein paar Sachen erzählt, über die Gebäude, das Duschen, den Kirchgang… [Sie wurde die kommenden Tage zu meiner Vertrauensperson. Es war so gut, wen zu haben, die ich ansprechen konnte, wenn ich nicht wusste, wie ich mich verhalten soll, bei Fragen und einfach zum reden…]“

„So jetzt fange ich an die „Hausordnung“ zu lesen, die mir bei der Aufnahme zum Durchlesen mitgegeben wurde. „Hausordnung“- wie verniedlichend für diese scheiß Knastregeln!

Auszug:

„Sie befinden sich hier in einer großen Gemeinschaft. Das erfordert verantwortliches Verhalten und gegenseitige Rücksichtnahme. Wir bitten Sie deshalb, die bestehenden Regeln, die auch in ihrem Interesse ergangen sind, ernst zu nehmen. Das Justizvollzugsgesetz betont Ihre Mitwirkung an der Erreichung des Vollzugsziels:
Im Vollzug der Freiheitsstrafe sollen die Gefangenen fähig werden, künftig in sozialer Verantwortung ein Leben ohne Straftaten zu führen.
Resozialisierung kann nur gelingen, wenn Sie selbst mitarbeiten. Ihre Fähigkeit zu sozialem Verhalten und zu sozialer Verantwortung können Sie auch durch Einhaltung dieser Hausordnung beweisen.“

„Vorhin haben N, B und ich noch zusammen Sport gemacht. Wir lagen auf dem Boden und haben gelacht bei der Vorstellung, dass jetzt eine Beamtin rein kommt. Wir konnten uns gegenseitig ein paar Übungen zweigen. Wir haben darüber gesprochen, dass das motivierend ist, wenn mensch nicht allein Sport macht. Wir wollen das jetzt jeden Tag zusammen machen. Und nachher werden N und ich noch zusammen Simpsons gucken“

„Vorhin kam eine der Schließerinnen in die Zelle und forderte mich auf mit ins Büro zu kommen, denn da wäre so „komische Post“ für mich gekommen. Oh – da waren so viele wunderschöne Briefe und Karten! Allerdings musste ich alles, was beklebt war und/oder auf schon beschriebenem Papier war, aller Flyer, Zeitschriften etc. im Büro lassen.
Das Lesen der Briefe tut so gut – diese unterstützenden Worte, liebevolle Gedanken, Wünsche und wertvollen Gedanken… Das gibt mir Kraft und stärkt meinen Widerstandswillen und meine Wut aufs Einsperren!
[…]
In den Briefen stehe öfter, dass angezweifelt würde, dass die Post ankäme. Das solle ich mal richtig stellen, denn sie hätten kein Interesse daran, Briefe zurückzuhalten. Das sei „nur“ der Fall, wenn die Post hetzerischen Inhalt hätte. – Was ist hetzerischer Inhalt? “

„Es ist Aufschluss… gerade saß ich in der Zelle am Tisch und habe gezeichnet, da kam I rein und als sie gesehen hat, was ich da mache hat sie mich gefragt, ob ich sie zeichnen könne. Ich bin mit auf ihre Zelle gegangen. Während ich sie zeichnete hat sie geraucht und mir von ihrem heftigen Lebensverlauf erzählt […] inzwischen hab ich so viele Zeichenaufträge! Manche wünschen sich, dass ich ihre Kinder zeichne[…]. Es sind so viele Mütter hier. Als ich heute aus dem Fenster geschaut habe, habe ich Frauen mit Kinderwagen gesehen. N hat mir gestern erzählt, dass in einem Gebäude hier Mütter mit Kindern sind. Die Kinder „können“ dort sein, bis sie drei Jahre alt sind.

„Weil ich gewöhnlicherweise nett bin zu Menschen, die nett zu mir sind, ertappe ich mich immer wieder dabei, wie ich „Danke“ sage, Türen aufhalte, „Bitte“ sage oder „Guten Morgen“… wenn ich mir dann wieder in Gedanken rufe, was für einen Job die machen und sehe und spüre wie sie in anderen Situationen handeln, dann wird mir ganz unwohl… Warum werden Beamt_innen Beamt_innen? Was haben sie für eine Ausbildung? Ist das ihr Traumberuf? Was denken die sich dabei?“

„Heute war ich in der Kirche. Die Kirche ist ein Ort, an dem alle Frauen aus den unterschiedlichen Gebäudebereichen zusammenkommen können. Die meisten gehen nur dort hin, um sich zu sehen, wurde mir gesagt. Die Leute aus der Untersuchungshaft sollen aber in Zukunft getrennt in der Galerie sitzen, wurde heute mitgeteilt. Viele Blicke ruhten auf den drei Kindern in der Reihe vor mir. Die fanden viele Frauen glaube ich interessanter, als das Geschwafel über Hirten und Weiden…“

„Vorhin kam eine Beamtin rein, sie hätten einen „Neuzugang“, ob wer von uns umziehen könne [sogenannte Neuzugänge dürfen anfangs nicht allein auf der Zelle sein, bis der Arzt das genehmigt]. Ich hab mich zögernd dazu bereit erklärt, weil ich dachte, dass es viel beschissener ist, wenn N und B auseinander müssen…“

„Ich war bei dem beschissenen Arschloch-Arzt Watuchek, vor dem ich schon gewarnt wurde. Mein Antrag auf meine original verpackte Zahnpasta, die sich in meinem „Habe“ befindet, wurde abgelehnt. Dann hat er den Antrag auf rohes Obst und Gemüse gelesen, in dem ich erläutert habe, dass ich vegan lebe und hier nur Brot mit Margarine und Müsli mit Wasser zu essen bekomme und beim Mittagessen eben je nach dem, was ich vom vegetarischen Gericht essen kann. Meine Gründe seien psychisch und ethisch und interessieren ihn nicht. Da bräuchte ich schon ein ärztliches Attest. Er hat meine Anträge weggelegt und mir -wie als Aufforderung zu gehen- die Hand hingehalten. „Ihnen geb ich nicht die Hand“, hab ich wütend gesagt und bin gegangen.
Sabine hatte mir erzählt, dass, wenn sie wegen gesundheitlichen Problemen zu dem Arzt gehe, würde er ihr sagen: „Du bist selbst Schuld, musst Sport machen, musst Schwimmen gehen“. Was für ein scheiß Witz, wie gemein zu einer Gefangenen zu sagen, sie solle Schwimmen gehen!“

„Die Klospülung hier funktioniert nicht. Auf der „alten Zelle“ mussten wir ewig spülen, bis Klopapier und co im Abfluss verschwanden, hier geht’s garnicht. Nachdem eine Beamtin mit einem Handschuh das Klopapier entfernt hatte, hat sie gesagt, dass wir es jetzt einfach versuchen sollen und morgen käme dann wahrscheinlich wer, der dafür zuständig ist. Ich hab gesagt, dass wir das ja jetzt gleich testen können und hab ein Stück Klopapier ins Klo geschmissen und gespühlt. Es hat nicht funktioniert. Ich hab vorgeschlagen einen Eimer zu benutzen, den wir mit Wasser füllen können, um zu spülen. Tatsächlich ist die Beamtin auf den Vorschlag eingegangen und hat bei den „Hausmädchen“ einen Eimer angefordert. Ich fand die Situation ein bisschen lustig, weil die Beamtin mit der Situation ziemlich überfordert wirkte und ich das eigentlich ganz einfach fand. Das erinnert mich jetzt an die besetzten Häuser in Barcelona, wenn ich aufs Klo gehe… Erinnerungen sind so wichtig im Knast… mit ihnen kann Mensch sich dort drinnen sozusagen wegträumen…“

„Meine neue Zellengenossin redet unglaublich viel… oft ist es auch interessant aber manchmal auch anstrengend, wenn ich lesen oder schreiben will… ihr sei so langweilig ohne Fernsehen und Radio, sagt sie immer wieder. Ich hab ihr angeboten, dass sie sich ein Buch von mir leihen kann, aber lesen ist nicht ihr Ding, sagt sie. Ich kenne das Gefühl von Langeweile (noch) nicht, hab das seit etwa 15 Jahren nicht mehr gehabt. Aber ich kann mir gut vorstellen, dass ich, wenn ich länger im Knast sein müsste, auch einen Fernseher haben wollen würde und auf jeden Fall einen CD-Player und ganz viel Musik. Da ist es dann eben schon auch einfacher wenn mensch eine Einzelzelle hat. In Baden- Württemberg gibt es neuerdings ein Gesetz, nachdem die Insassinnen einverstanden sein müssen, wenn sie mit anderen Frauen zusammen in eine Zelle gesperrt werden. Ist mensch aber nicht einverstanden, dann gibt es anscheinend eine lange Warteliste für Einzelzellen.“

„Eine Frau, die beim Mittagessen mit mir am Tisch sitzt, ist wegen Schwarzfahrens hier. 6 Mal wurde sie erwischt und hat auch die 40 Euro nicht bezahlt, erzählte sie… Das erste, was sie machen wird, wenn sie hier raus kommt: sich ein Jahresticket kaufen, hat sie gesagt…“

„Ich finde es ziemlich schade und traurig zu erleben wie die Frauen hier oft miteinander umgehen. Sie sind häufig so hinterlistig, beklauen sich, belügen sich und lästern… Es ist wohl auch schwierig im Knast solidarisch miteinander umzugehen, wenn mensch auch draußen keine Solidarität erlebt hat…Naja und das Knastsystem ist ja auch darauf ausgerichtet, Menschen die Emotionen, Vertrauen und Liebe zu nehmen…“

„Auf dem Nachthemd, das ich anhabe, steht „everything will be good“, auf einem anderen, dass ich hier bekommen habe „save me““.

„Sabine meinte, ich solle nicht einfach Sachen verschenken, sondern immer gleich fragen „Was krieg ich dafür“, denn sonst würde ich ausgenommen… Ich hab ihr erklärt, dass ich eben gerne schenke und sozusagen „meinen Charakter“ auch im Knast beibehalten wolle… wenn ich darüber nachdenke, würde das auf längere Zeit aber wohl nicht funktionieren. Mensch wird ja ständig von der Umgebung und dem Umfeld geprägt. Draußen, da kann ich mir oft aussuchen mit welchen Menschen ich zu tun haben möchte, wo ich mich aufhalten will und durch wen und was ich also geprägt werde… Hier drinnen passiert das unter Zwang…“

„Ich bin aufgeregt, wie das morgen werden wird, wenn ich wieder hier raus gehe… Nur noch einmal schlafen!… Ich freu mich so, nicht mehr ständig diese scheiß Gitterstäbe sehen zu müssen!“

Sowas wie ein kleines Fazit
Ich wurde von zwei sehr vertrauten Freund_innen abgeholt. Schon nach der einen Woche war es für mich seltsam wieder Autos zu sehen… Ein bisschen reizüberflutend kam mir das alles vor… etwa eine Woche hab ich mich dann von der Knastwoche erholt, mit Menschen über das Erlebte gesprochen, über Gedanken und Fragen die mir während und nach der Zeit im Knast gekommen sind.
Ich glaube, dass es sehr wichtig ist sich vor der Knastzeit (naja, kommt wahrscheinlich auch darauf an wie lange das ist) zu überlegen, welche Freund_innen mensch danach gerne um sich hätte und wo mensch sich gerne aufhalten will…
Ich bin froh, dass ich diese Erfahrung gemacht habe, weil ich glaube, dass ich jetzt eher ein Bild davon habe, was Knast bedeuten kann und wie ich versuchen könnte, auch mit einer längeren Haftzeit umzugehen… Trotzdem ist mir bewusst, dass die Woche, mit der Unterstützung die ich hatte, so anders ist, nicht vergleichbar ist mit dem, was der Großteil der Gefangenen durchmacht…