1. September: Plädoyers und Urteil erwartet – Boehringer-Prozess kurz vor Abschluss

Seit Anfang Mai sind beim Amtsgericht Hannover 5 Aktivist_innen wegen Hausfriedensbruch angeklagt. Ihnen wird vorgeworfen, letztes Jahr den Bauplatz besetzt zu haben, auf dem der Pharmakonzern Boehringer-Ingelheim ein Tierversuchslabor zur Optimierung der Massentierhaltung bauen lässt. 13 Verhandlungstage und fast vier Monate lang hielten die Angeklagten und ihre Rechtsbeistände das Gericht auf Trab, neben Zeug_innenvernehmungen und Beweisanträgen ging es immer wieder um die politischen Hintergründe von Tierversuchen und Justiz, das zeitweilige mediale Interesse wurde für Öffentlichkeitsarbeit genutzt. Alle Verhandlungstage wurden von sich solidarisch zeigenden Menschen verfolgt, die zum Teil die ihnen zugeschriebende Rollle als Zuschauer_innen verließen und aktiv in den Lauf der Verhandlung eingriffen. Jedoch sank die Zahl der aktiven Unterstützer_innen im Laufe der Monate rapide.
Jetzt neigt sich der Prozess dem Ende zu: Am 1. September werden Angeklagte un Verteidigung ihre Plädoyers halten, vielleicht wird sogar am selben Tag ein Urteil gesprochen werden. Es ist absehbar, das an diesem Tag die mediale Resonanz noch einmal deutlich erhöht sein wird – zudem ist es gerade am Ende des Prozesses noch einmal wichtig, dem Gericht deutlich zu machen, dass es mit Anklagen und Urteilen den Widerstand gegen Boehringer-Ingelheim nicht brechen kann, insbesondere auch, dass es keine gute Idee ist, in Zukunft noch weitere mutmaßliche Besetzer_innen anzuklagen.
Daher bitten wir alle sich solidarisch fühlenden Menschen, die es irgendwie einrichten können, sich am 1. September auf dem Weg nach Hannover zu machen!

Der Prozess wird um 08 Uhr im Saal 001 des Landgerichts (Volgersweg 65, hinterm Hauptbahnhof) beginnen.
Wer einen Schlafplatz in Hannover braucht, kann eine Mail an boehringer-besetzung{aet}gmx{punkt}de schicken.

Verteidigungskollektiv Boehringer-Prozess


2 Antworten auf „1. September: Plädoyers und Urteil erwartet – Boehringer-Prozess kurz vor Abschluss“


  1. 1 Detlef 01. September 2010 um 19:13 Uhr

    Einen kleinen Kommentar zur heutigen Verhandlung schrieb ich im Tierrechtsblog.
    http://tierrechte.blog.de/2010/08/29/1-september-plaedoyers-urteil-erwartet-boehringer-prozess-kurz-abschluss-9271038/#comments

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    Ich war heute bei dieser Böhringer-Verhandlung, bei der eigentlich das Urteil verkündet werden sollte. Nun ja, es war schon ulkig. Gleich vor dem Gerichtssaal mussten erst alle Gegenstände abgegeben werden, die jeder so bei sich trug. Handys, Getränke oder Essen. Ich wußte wohl auch nicht, was schlimmes ich im Brot versteckt haben könnte, doch als guter Bundesbürger misstraut man sich eben besser selber, da die deutsche Justiz oft mehr über einen weiß, als man selbst. So half ich der Justiz so gut ich konnte und gab auch ganz pflichtbewusst 2-3 Zahnstocher ab, mit denen ich vielleicht den Richter hätte erstechen können.

    Ansonsten fand die Verhandlung in einem schlecht gelüfteten Raum statt, so dass das Stunden lange Zuhören mit der Zeit schon etwas nervig wurde. Angeblich aus Sicherheitsgründen durfte kein Fenster geöffnet werden. Das Urteil schien schon vom ersten Verhandlungstage an fest zu stehen. Der Richter sah den Tatbestand des Hausfriedensbruches als gegeben an, obwohl keiner genau bestimmen konnte wo, wer und wie jemand der Besetzer je einen Frieden gebrochen hätte.Auch blieb es bis zum Schluss strittig, ob das von Böhringer erworbene Gelände überhaupt zu dieser Zeit befriedet war, also geschlossen eingezäunt. So das nicht der Fall war, das Gelände also von einigen Stellen offen zugänglich war, kann es auch keinen Hausfriedensbruch gegeben haben. Auch betonten alle Beteiligten, dass die Demonstranten sich sehr friedlich verhalten haben, ein politisches Anliegen hatten, von ihnen also keinerlei Aggressionen oder Bedrohungen ausgingen. Somit war es eher eine offene spontane Versammlung, bei der gegen keinerlei Gesetze verstoßen wurde. Und anderes konnte nie belegt werden.
    In den Schlussworten machten die angeklagten Böhringerdemonstranten noch einmal sehr ausführlich ihre Standpunkte klar, in denen sie ihre politischen, linken, anarchistischen Ansichten kund taten, vor dem Wahnsinnsprojekt von Böhringer warnten und die Notwendigkeit von antispeziesistischen Tierrechten anmahnten. Mit einer sehr ausführlicher Kapitalismuskritik zog sich das schon über einige Stunden hin. Zum Schluss hatte der Richter, der von den Angeklagten als befangen abgelehnt wurde, wohl keine Lust mehr und setzte noch einen weiteren Verhandlungstag an, so wie es die angeklagten Böhringer-Demonstranten gefordert hatten. Von ihm war auch der Spruch zu hören, dass nun endlich Butter bei die Fische gegeben werden sollte. :-) Oh ha, solche Gewaltaufrufe von einem Richter müssen in einem Gerichtssaal wirklich nicht sein.
    Der nächste Gerichtstermin ist nun am 8. September um 8 Uhr. Ob das nun der letzte sein wird, wird man sehen.

    http://tierrechte.blog.de/2010/08/29/1-september-plaedoyers-urteil-erwartet-boehringer-prozess-kurz-abschluss-9271038/#comments

  2. 2 Tomas Andersson 16. Oktober 2010 um 20:33 Uhr

    Aufschlussreicher Artikel, wäre nett, mehr zu dem Thema zu erfahren

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