Archiv für August 2009

Aktuelle Informationen zum Boehringer Bauvorhaben

Wir haben in der letzten Woche eine sehr informative Email erhalten, für die wir uns bedanken, und aus der wir hier einige Zeilen veröffentlichen möchten :

“ …Es ist bisher noch kein Gutachten zur biologischen Sicherheit eingeholt worden. Was Ihr so meint ist lediglich der „Bericht über die Evaluierung der Biologischen Sicherheit des BIVRC, Hannover vom 05.08.2009 der Firma „tecrisk“ Ltd.
Ltd.-Firmen können nicht haftbar gemacht werden, weder finanziell noch – wie hier, für den Inhalt des Berichtes. Diese Firma gehört dem schweizer Konstrukteur der Anlage: P. Mani, der zugleich auch selbst Geschäftsführer ist- sehr praktisch. Diese Firma besteht aus selbsternannten „Experten“. Der Auftrag kam allein von Boehringer – nicht von der Stadt.
Den ahnungslosen Ratsmitgliedern und der HAZ wurde dieser Bericht als „Gutachen“ verkauft. Es ist nicht einmal eine Stellungnahme-, die würde eine Aufforderung voraussetzen; – daher auch die Bezeichnung „Bericht“. Die Stadt Hannover hat werder eine wissenschaftliche Stellungnahme, noch ein Gutachten angefordert; die Initiative kam von der Fa. Boehringer.

Die Begriffe „Gutachter“ und „Gutachten“ sind nicht geschützt ein jeder kann sich Gutachter nennen und Gutachten abgeben.

Der Bericht enthält lediglich imposante Begriffe und keine Angaben zu den Umweltrisiken, sondern nur betriebstechnische Belange, die das Gewerbeaufsichtsamt und die Mitarbeiter betreffen. Für die Ausfertigung des längst fälligen Sicherheitsgutachtens sind allein die staatlichen Stellen zuständig ( gesetzliche Regelung )… Das würde aber negativ ausfallen, deswegen wird es auch nicht von der Stadt in Auftrag gegeben, obwohl sie dafür nicht zahlen müßte; das Gutachten muß vom Betreiber ( BIVRC) vorgelegt und bezahlt werden.“

Tierimpfstoffzentrum – Boehringer forscht auch an Rindern!


Trotz anhaltender Proteste treibt der Pharmakonzern Boehringer Ingelheim die Planung für sein Impfstoffzentrum in Hannover voran. Bei einer nicht öffentlichen Informationsveranstalltung für Ratsmitglieder von Boehringer-Ingelheim im Rathaus gestern Abend, sagte Projektleiter Friedhelm Nöker:

„Es wird nicht nur an Schweinen geforscht, sondern bei Bedarf auch an Rindern. Die Anlage ist so geplant, dass das möglich ist“.

Zudem stellte der Konzern auch ein Gutachten der Firma tecrisk aus der Schweiz vor, das dem Forschungszentrum größtmöglichste Sicherheit bescheinigt. Untersucht worden seien die Themen Geruch, Schall und biologische Sicherheit. Auch gentechnische Arbeiten könnten sicher vorgenommen werden. Im tecrisk-Gutachten heißt es, dass das Gebäude „dem heutigen Stand der Technik und den gesetzlichen Bestimmungen mit Erregern der Sicherheitsstufe S3 in vollem Umfang entspricht und teilweise darüber hinausgeht“. Auch bei Bränden oder technischen Fehlfunktionen könnten keine Erreger austreten. Die Stadt hatte die Präsentation wegen der Vorfälle auf dem Boehringer-Gelände von einem etwa 30-köpfigen Polizeiaufgebot schützen lassen. Die Sitzung verlief laut Polizeiangaben jedoch absolut „störungsfrei“. Hier einige Leser-Kommentar zum HAZ Artikel, die das ganze eig. gut zusammenfassen!

Demokratie … das klappt wohl nie. – 25.08.09
Da wird wieder mal klar, wo in der Politik die Schwerpunkte liegen.

Gegen das Projekt gibt es massiven Widerstand, also werden die Kritiker einfach ausgeschlossen.

In vielen Kommentaren zum Thema Boehringer schreien die Leute nach Demokratie, wenn es um die bösen bösen Besetzer geht. Demokratie sei ganz wichtig und Meinungsfreiheit ja sowieso.

Wo ist sie jetzt, eure tolle Demokratie und Meinungsfreiheit?

Hier geht es einzig um Prestige für beteiligte Politiker und vor allem um eines: Geld, Geld, Geld.
Das lässt man sich nicht gerne kaputt machen, vor allem nicht von den lästigen Bürgern.

Schnauze halten und fressen was man vorgesetzt bekommt lautet die Parole! Wer sich weigert, bekommt eine Ohrfeige. Wer hat das Gutachten eigentlich bezahlt? Dessen Wunschergebnis wurde selbstverständlich festgestellt.

Übrigens setzt Demokratie gebildete und informierte Bürger voraus, was dem Ausschluss aller Nicht-Politiker von der Informationsveranstaltung widerspricht. Sollte etwas geheim gehalten werden, oder will man den Bürger generell dumm halten?

Alles Schall und Rauch
Das mag ja ein netter taktischer Zug sein von Boehringer Ingelheim, leider sind diese Versprechen nicht mehr als Schall und Rauch.
Dass solche Aussagen vom Betreiber veröffentlicht werden ist schon klar, genauso klar ist aber die Nichtigkeit der Aussage.
Sollte es jemals einen Zwischenfall dort geben kann sich für diese Aussage niemand etwas ‚kaufen‘.
Ich erinnere nur an sehr schlimme andere Fälle wie Tschernobyl, Asse, Seveso. Dort hat es auch solche Zusagen von den Betreibern gegeben. Wem von den Betroffenen Anwohnern hat das geholfen? Niemandem.
Wir überlegen uns ob wir wieder aus Kirchrode wegziehen. So hatten wir uns das hier nicht vorgestellt.

SEK räumt Wiederbesetzung des Boehringer-Geländes


Nach erneuter Besetzung des Boehringer-Baugeländes haben Polizei und das Spezialeinsatzkommando (SEK) am Sonnabendmittag das Boehringer-Gelände erneut geräumt. 15 Besetzer_innen gelang es in der Nacht und am frühen Morgen unbemerkt, trotz der Anwesenheit des Wach & Sicherheitsdienstes, das Gelände zu betreten, und auf Bäume und Dächer des Geländes zu klettern.

Nähere Informationen zur Wiederbesetzung und zur 2. Räumung gibts in kürze hier!

Wiederbesetzung des Boehringer-Geländes


In der Nacht vom 21. auf den 22. August 2009 haben 15 Aktivisten_innen erneut das Boehringer- Baugelände besetzt. Ziel der Wiederbesetzung ist der konsequente Widerstand, der den Bau des Tierversuchslabors nicht durchsetzbar machen soll. Außerdem soll dies ein deutliches Zeichen für andere Konzerne mit ähnlichen Zielen darstellen und sie abschrecken.

Alternativkonzept zum Tierversuchslabor soll ein Ideengarten sein, der dauerhaftes alternatives Wohnen, politische Plattform, Ökoanbau/ Selbstversorgung, Gnadenhof für Tiere und sozialen Freiraum miteinander vereint. Die Besetzer_innen wollen zeigen dass sie sich von Repressionsorganen wie der Polizei und dem vor Ort eingesetztem Wachpersonal nicht einschüchtern lassen und ihren friedlichen und gewaltfreien Protest trotz der Räumung letzter Woche weiterführen werden. Weiterhin soll Öffentlichkeit gegen den Umgang der heutigen Gesellschaft gegenüber Tieren geschaffen werden und der Zustand, in dem Tiere als Versuchsobjekte benutzt werden, kritisiert werden.

Video zur Räumung auf youtube

Unter folgendem Link findet ihr ein knapp 10-minütiges Video zur Räumung: http://www.youtube.com/watch?v=qY8RT7LIT-w

Viel Spaß damit und gerne weiterverbreiten ;-)

Spontane Solidemo in Biberach/Riß

„Die Freund/innen aus dem Süden“ unterstützten unseren Protest gegen Boehringer, in dem sie am Samstag, 15.08., eine spontane Party-Demo auf dem Boehringer Gelände in Biberach starteten. Herzlichen Dank für eure geniale Unterstützung!!

Diesen Artikel haben wir bei Indymedia gefunden und bedanken uns für die Dokumentation dieser Soliaktion gegen die Räumung!

Biberach: Solidarität mit Boehringer-Besetzung – Eine ,,Party'‘, die zur spontanen Demonstration wird

Das Gelände von Boehringer-Ingelheim in Biberach(a.d. Riß) ist groß, von außen betrachtet unübersichtlich und wird durch einen hohen Zaun geschützt.
Auch an vergangenem Samstag, 15.08., arbeiteten dort Angestellte, aber das Wohngebiet am Rande der Kreisstadt ist insgesamt ruhig und nur vereinzelt sind Menschen auf den Straßen unterwegs, auf denen es auch schon am Vormittag stechend heiß ist.
Doch dann wird die Ruhe für über eine halbe Stunde gebrochen und die Hauptpforte des Boehringer-Geländes in eine Protestzone gewandelt. Mit Transparenten, Pappschildern, Trommeln, Pfeifen und Parolen machen Aktivist/innen aufmerksam: Die ,,Freund/innen aus dem Süden'‘, wie sie sich in ihrem Aufruf zu einer ,,spontanen Party'‘ nennen, möchten sich vordergründig mit der Besetzung des Boehringergeländes in Hannover solidarisieren. Nachdem diese über einen Monat hinweg bestand und sich gegen den Bau des neuen Tierversuchslabors richtete, wurden die Aktivist/innen in Hannover polizeilich am 12.08.2009 geräumt.

,,Solidarity is a weapon – Gegen Tierversuche überall!'‘

Gleichzeitig richtete sich ihr Protest gegen die Machenschaften des Pharmakonzerns Boehringer, welcher nach wie vor Tierversuche durchführt. Die herrschaftskritischen Aktivist/innen kritisieren jegliche Ausbeutung nichtmenschlicher Tiere und somit auch die durch Boehringer Ingelheim.

,,Auflagen einer Spontandemonstration: nicht erfüllt'‘

Nach etwa einer halben Stunde erscheinen zwei Polizeibeamte, welche die Personalien Aller fordern. Eine Aktivistin entgegnet jedoch, sie würden eine Demonstration durchführen wollen und diese mit einem spontanen Anlaß anmelden. Daraufhin sagt einer der beiden Polizisten, dass dies nicht möglich sei. Eine Spontandemonstration ,,wie diese'‘ müsse Tage vorher beim lokalen Ordnungsamt gemeldet werden. Erst nach reichlich Diskussion und der Personalienaufnahme aller Umstehenden sind die Beamten bereit, eine Eilversammlung an das Ordnungsamt Biberach weiterzugeben.
Ihren Dienstausweis jedoch wollen sie selbst nicht vorzeigen und erst nach wiederholter Nachfrage nennen sie widerwillig ihren Nachnamen.
15Minuten später geben sie bekannt, dass keine spontane Versammlung durchgeführt werden könne, da dies der Zuständige des lokalen Ordnungsamtes entschieden hätte. Die Aktivist/innen entsprächen nicht den Auflagen einer Spontandemonstration. Stattdessen beschlagnahmten sie ein Transparenten und weitere Pappschilder der Protestierenden.
Der Aufforderung einer weiteren Aktivistin, eine Spontandemonstration aufgrund des Verbots der Spontandemonstration anzumelden, kommen sie jedoch nicht nach und entgegnen nur mit einem spöttischem Lächeln.

,,This is what democracy looks like'‘, murmelt eine Aktivistin leise vor sich hin und schüttelt ungläubig den Kopf.

Weitere Aktionen nach Boehringer-Räumung

Nach der Räumung des eineinhalb Monaten besetzten Baugeländes für das Tierqualzentrum des Pharmariesen Boehringer-Ingelheim gab es am Donnerstag Abend eine Demonstration mit gut 200 Menschen. Vom Aegidientorplatz über den Kröpke und das Steintor zum Hauptbahnhof. Während der Demo wurden viele Flyer verteilt und Sprüche wie „Boehringer ist Folter, Boehringer ist Mord – Tierversuche stoppen, jetzt sofort“ gerufen. Auf dem Front-Transpi war zu lesen „Artgerecht ist nur die Freiheit“.
Nach der Demo kamen zuerst auf dem Vahrenwalder Platz und kurz darauf am Küchengarten ungefähr 50 Menschen zusammen, die kurzzeitig die Kreuzungen blockierten. Die Bullen zogen daraufhin jeweils massiv Kräfte zusammen, trotzdem gelang es ihnen nicht, die Lage unter Kontrolle zu bringen. Laut Presse waren an dem Räumeinsatz nicht 500, wie bisher zugegeben, sondern 1000 Bullen beteiligt.

1000 Polizeibeamte – Scharfe Kritik an Boehringer-Einsatz

Nach der Räumung des Boehringer-Geländes durch die Polizei werden mehr und mehr Zweifel an der Verhältnismäßigkeit des Einsatzes laut. Nach Medien-Informationen waren an dem Einsatz nicht wie bisher bekannt 500, sondern mehr als 1000 Kräfte beteiligt. Darunter sollen allein zwei Hundertschaften aus Hannover, fünf aus dem restlichen Niedersachsen und rund 100 Beamte der Bundespolizei gewesen sein, außerdem unter anderem zahlreiche Ermittler der Kriminalpolizei. „Es ist schon ein wenig erstaunlich, dass man für so einen Einsatz derart viele Einsatzkräfte braucht“, sagt Matthias Karsch, Vorsitzender des Bunds Deutscher Kriminalbeamter (BDK) in Hannover. Der Bund der Steuerzahler meldet ebenfalls Kritik an: „Man muss bei allem Sicherheitsbedürfnis auf die Wirtschaftlichkeit und Verhältnismäßigkeit achten“, sagt Landeschef Bernhard Zentgraf. „In diesem Fall muss man Zweifel haben, dass das hier passiert ist.“ Die Grünen im Landtag wollen ihrerseits per Kleiner Anfrage von der Landesregierung Aufklärung darüber bekommen, ob die Dimension des Einsatzes angemessen war. „Wir werden Aufwand und Zweck infrage stellen müssen“, sagt der hannoversche Abgeordnete Enno Hagenah. „Beides scheint aus dem Gleichgewicht geraten zu sein.“ Im Innenministerium ist die Rede davon, der Einsatz sei „ziemlich ausführlich vorbereitet“ worden. Das, sagt Sprecher Klaus Engemann, sei den vielen Unwägbarkeiten geschuldet. So sei das Gerücht umgegangen, dass die 33 Besetzer per Handy sehr rasch mehrere Hundert weitere Aktivisten mobilisieren könnten. Zudem habe die Befürchtung bestanden, Sympathisanten der Tierschützer könnten im Nachgang der Aktion Probleme machen. Bernhard Witthaut, Landesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP), weist ebenfalls darauf hin, dass die Einsatzleitung „sämtliche Eventualitäten“ einkalkulieren müsse. Unter den Beamten der Polizeidirektion Hannover wird der Einsatz von rund 1000 Polizisten dem Vernehmen nach lebhaft diskutiert. Einsatzleiter Helmut Marhauer hatte den Umfang am Mittwoch mit der Größe des Geländes und der Ungewissheit in Bezug auf möglichen Widerstand begründet. „Man kann immer alles fürchten“, sagt BdK-Chef Karsch. „Aber wir haben in der Vergangenheit auch Einsätze wie diesen mit weit weniger Kräften bewältigt.“

(Artikel der HAZ Online)

Pressemitteilung vom 13.08.2009

13.08.09

„Steine waren für den Bau eines Ofens bestimmt“

Nach der gestrigen Räumung der Besetzung gegen Boehringers Tierversuchslabor in Hannover geht der Protest der BesetzerInnen weiter. „Die Räumung bedeutet nicht das Ende unseres Widerstands gegen Boehringer und sein Bauvorhaben in Hannover“, sagt Philip der Besetzergruppe. Für Donnerstag um 18 Uhr ist eine Spontan-Demo angemeldet.

Die angegebenen Gründe für die Räumung kritisiert die Besetzergruppe heftig. „Die Aussagen der Polizei, wir hätten „Fallgruben“ und „Steindepots“ angelegt, sind schlichtweg falsch! Die Gruben dienten der Behinderung von Räumfahrzeugen und die Ziegelsteine waren für den Bau eines Steinbackofens bestimmt“, so Besetzerin Lara. Die BesetzerInnen sind auch enttäuscht über die Berichterstattung der Presse, in der häufig betont wurde, die Großteil von ihnen hätte das Gelände freiwillig verlassen. „Ohne Polizeigewalt wären wir niemals gegangen, wir wollten bleiben und das Gelände alternativ nutzen“, begründet Lara. Viele haben passiven Widerstand geleistet und außer den beiden Frauen, die sich hinter dem Küchenzelt in einem Betonklotz festgekettet haben war noch eine weitere Person in einer Bodenluke eines Gartenhauses in Beton festgekettet. Bei dieser Person handelt es sich zufällig auch um die Person auf dem Foto der Titelseite der Neuen Presse, welches mit der Bildunterschrift „ein Tierversuchsgegner verlässt freiwillig das Gelände“ kommentiert ist. Auch die Person im Baum war mit einem Arm in einem Rohr fixiert und leistete somit Widerstand gegen die polizeiliche Maßnahme. Mit diesen Aktionsformen sollte der Polizei die Räumung erschwert werden und der Überzeugung der BesetzerInnen Nachdruck verliehen werden.

Da sich die Besetzung von Anfang zur Gewaltfreiheit bekannte, ist der Polizeieinsatz mit 600 PolizistInnen als unverhältnismäßig zu bewerten und hat außer Aufmerksamkeit nur Kosten verursacht. Auch für Boehringer werden hohe Kosten durch das Aufstellen eines Zauns und das Einschalten dauerhaften Wachpersonals entstehen, was die BesetzerInnen positiv bewerten. „Wir wollten es Boehringer so schwer wie möglich machen und durch extra Ausgaben trifft man Konzerne sehr. Nun geht der Kampf gegen das Tierversuchslabor auf anderen Protestwegen weiter!“, sagt Lara abschließend.

Demo zur Räumung

Heute:
Donnerstag, 13.08.2009,
Start ist um 18.00 Uhr vor dem Theater am Aegi (Aegidientorplatz) in Hannover.


Für wen’s besser erreichbar ist: in Hamburg, S-Bahnhof Schanze, ist um 17:00 Treffpunkt für eine Soli-Sponti !